Metamorphose

Was verändert sich im Klassenzimmer, wenn Erwachsene bei sich ankommen?

Es gibt Veränderungen, die man nicht erklären muss.
Man sieht sie. Man spürt sie. Man merkt sie im Raum.

Nicht, weil sich plötzlich alles im System ändert.
Sondern weil sich etwas im Inneren der Lehrperson neu ordnet.

Seit ich begonnen habe, mich selbst klarer zu führen, verändert sich mein pädagogischer Raum. Nicht laut, nicht spektakulär. Aber spürbar.

Kinder werden ruhiger. Beziehungen entstehen schneller. Konflikte eskalieren seltener. Und Lernen bekommt wieder einen natürlichen Fluss.

Nicht, weil ich andere Methoden anwende.
Sondern weil ich anders anwesend bin.

Wenn Selbstführung pädagogische Wirkung bekommt

Kinder reagieren nicht zuerst auf Inhalte.
Sie reagieren auf Zustände:

Auf Spannung oder Entspannung.
Auf Klarheit oder innere Unruhe.
Auf Präsenz oder Abwesenheit.

Je klarer ich bei mir bin, desto weniger müssen Kinder gegen etwas arbeiten. Je regulierter ich auftauche, desto weniger Energie geht in Widerstand verloren.

Irgendwie klar und trotzdem - was nutzt uns dieses Wissen in Gedanken? Interessanterweise spürte ich dieses Wissen erst in einem ganz bestimmten Moment. Und zwar in einem solchen, in dem ich mich innerlich selbst regulierte und ganz klar und ruhig zu mir selbst sprach, während ich zu einer Schülerin, die mir immer wieder den Rücken zukehrte und jede meiner Hilfestellungen trotzig zurückwies, im Unterricht sagte: “ Du musst dich nicht gegen mich wehren.”

Ich weiß jetzt ganz sicher: was Kinder spüren, ist nicht mein Wissen.
Sie spüren meine innere Ordnung.

Und genau hier beginnt meine Metamorphose.

Warum Klarheit im System Reibung erzeugt

Aber natürlich ist nicht immer alles easy 🍋 und so einfach ist es dann mir der Klarheit und der Ruhe auch wieder nicht. Das wäre wahrscheinlich so gar nicht menschlich. Es gibt genügend dieser Momente, in denen innere Klarheit nicht sofort Erleichterung bringt, sondern Reibung. Weil man sich vielleicht auch erst in einem Moment klar werden muss - und das innerhalb von Sekunden.

Aber auch das dürfen Kinder spüren - wenn etwas ärgert, Erwartungen oder Verhaltensweisen nicht zusammenpassen. Manches ist nicht verhandelbar, aber immer in Bewegung, weshalb es auch immer wieder zu Reibung kommen muss.

Ich habe lange versucht, zwei Realitäten gleichzeitig zu leben: die innere Wahrheit dessen, wie ich wirken möchte,
und die äußere Erwartung, wie Schule zu funktionieren hat.

Nicht der Beruf macht müde. Sondern das ständige Übersetzen zwischen diesen Welten. Also das will der Lehrplan, das wollt ihr und das braucht ihr “wirklich” im Leben. Irgendwo dazwischen liegt wahrscheinlich die Realität.

Je mehr ich zuließ, dass all das gleichzeitig da ist und auch da sein darf, desto weniger ich mich innerlich spalte, desto klarer wurde mein Handeln nach außen. Und die Kinder reagierten darauf unmittelbar.

Mein wichtigsten Werkzeug ist meine Präsenz.

Mein wichtigstes Werkzeug ist nicht mein Material. Nicht meine Vorbereitung. Und nicht einmal mein pädagogisches Wissen.

Es ist meine Präsenz.

Die Art, wie ich den Raum betrete. Wie ich Kinder ansehe. Wie ich reagiere, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Wie ich mit mir selbst umgehe, wenn etwas schwierig wird.

Manchmal bedeutet das:
- weniger Aufgaben
– weniger Tempo
– weniger Kontrolle

Und gleichzeitig:
🍬 mehr Beziehung
🍬 mehr Bewegung
🍬 mehr Spielraum
🍬 mehr Vertrauen

Wenn Erwachsene sich selbst führen, müssen Kinder nicht mehr „gehalten“ werden. Sie orientieren sich von selbst.

Wir glauben so oft, dass wir gegen die Faulheit und das Desinteresse der Schüler:innen ankommen müssen. Aber Kinder sind keine Gegner - sie sind Resonanzkörper. So wie man selbst auch.

Kinder sind keine Gegner – sie sind Resonanzkörper

Im Schulalltag rutschen wir schnell in ein altes Narrativ: Kinder als Herausforderung, Kinder als Störung, Kinder als Widerstand gegen einen Unterricht, der funktionieren soll. Doch das ist nur eine Täuschung.

Kinder sind keine Feinde. Sie sind Co-Creators eines Lernraums, der in jedem Moment neu entsteht.

Sie reagieren nicht auf unsere ausgesprochenen Erwartungen, sondern auf unsere innere Haltung.

Wenn ich gegen Kinder arbeite, wird der Raum eng. Wenn ich mit ihnen arbeite, beginnt Lernen zu fließen. Kinder spiegeln uns nicht unsere Schwächen, sondern unsere Unklarheiten.

Sie zeigen uns, wo wir präsenter werden dürfen, wo wir sanfter werden können. Aber auch, wo wir klarer führen müssen. Und wo Kontrolle ersetzt werden darf durch Beziehung. Und das in jedem einzelnen Moment. Jeden Tag.

Und das Schöne ist, dass auch ich authentischer werde.

Seit ich aufhöre, mich im Unterricht selbst zu verlieren, verändert sich nicht nur mein Erleben, sondern auch das der Kinder. Sie trauen sich mehr. Sie werden ehrlicher. Sie regulieren sich schneller. Sie übernehmen Verantwortung, ohne dass sie gedrängt werden. Nicht, weil ich weniger fordere. Sondern weil Forderung eingebettet ist in Sicherheit. Und auch ich traue mich mehr, mehr ich selbst zu sein, ehrlich und klar mit ihnen und mir zu sein. Und auch damit, was wir gemeinsam verändern können und was nicht.

Metamorphose geschieht nicht durch neue Konzepte. Sie geschieht, wenn Erwachsene verkörpern, was sie vermitteln wollen.

Gekommen, um zu bleiben

Ich bleibe nicht, um das System zu bedienen. Ich bleibe, weil ich Veränderung bewirken will. Im Kleinen, sowie im Großen. Jeden Tag - in einzelnen Begegnungen, Momenten, in den Erfolgen, die ich gemeinsam mit den Kindern erleben darf. In einem Raum, der gehalten ist, statt kontrolliert.

Wenn Kinder spüren, dass Erwachsene bei sich ankommen, entsteht etwas, das kein Lehrplan erzeugen kann:

Vertrauen.

Und genau dort beginnt Bildung.

💭 Und du?

Was spüren Kinder in deinen Räumen?
Was verändert sich, wenn du nicht mehr funktionierst, sondern anwesend bist?

Wo darfst du dich selbst klarer führen, damit Lernen wieder natürlicher wird?

Welche Metamorphose wartet vielleicht schon darauf, sichtbar zu werden – nicht nur in dir, sondern im Raum, den du hältst?

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Herzlichst, deine Sumaya

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