Was Kinder sich von der Schule der Zukunft wünschen

Schule der Zukunft beginnt dort, wo wir den Kindern zuhören - Im Rahmen eines Unterrichtsprojekts habe ich Schülerinnen und Schüler der 3. Klasse gefragt, wie sie sich die Schule der Zukunft vorstellen.

Im Deutschunterricht sollen die Kinder Deutsch lernen. Manchmal frage ich mich, wie sehr wie damit tatsächlich die Ausdrucksfähigkeit der Schüler:innen stärken.

Denn das ist meiner Meinung das, worauf es ankommt, wenn man eine Sprache lernt.

Mich interessiert die Schüler:innenperspektive. Ohne pädagogische Fachbegriffe oder didaktische Konzepte.

Nur ihre Perspektive.

Darum habe ich meine Schüler:innen im Deutschunterricht zu einem Interview gebeten. Dabei habe ich offene Fragen gestellt und ihnen dazu einige Impulse gegeben. Es ging nicht darum, Schule abzuschaffen und eine weit entfernte Utopie zu träumen, sondern im Rahmen der Möglichkeiten Optionen zu erforschen.

Schritt für Schritt in Richtung einer Bildung, die vor allem die zu Wort kommen lässt, die es am meisten betrifft:

Kinder und Jugendliche.

Ihre Antworten waren klar, reflektiert und zutiefst menschlich.

Perspektiven von Kindern auf Schule und Lernen

1. Zeit ist kein Luxus – sie ist Voraussetzung für Lernen

Viele der Kinder wünschen sich einen späteren Schulbeginn und kürzere Schultage. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus einem einfachen Grund: Sie wollen ausgeruht sein, um lernen zu können.

Sie sind in einem Alter, in dem sich der Körper Veränderungsprozesse durchläuft und sich neu ordnet. Auch der Schlafrhythmus verändert sich. Mit einem Schulbeginn zwischen 8:00 und 9:00 Uhr wären die meisten zufrieden.

Auch Pausen wurden immer wieder genannt – echte Pausen. Nicht fünf Minuten Zeitdruck zwischen zwei Stunden, sondern Räume zum Durchatmen, Bewegen, Sein. Vielleicht auch, um kurz mal Abstand zu den anderen haben. Das sind jetzt die Pausen, die viele sich während der Stunde “nehmen”, um auf die Toilette zu gehen oder einfach mal in die Luft zu schauen.

Was hier sichtbar wird, ist kein Wunsch nach „weniger Schule“, sondern nach einem Rhythmus, der ihrem Körper mehr entspricht.

2. Lernen braucht Beziehung – nicht Tempo

Wenn Kinder über gutes Lernen sprechen, fällt ein Wort immer wieder: Verständlichkeit.

Sie wollen langsame, ruhige Erklärungen, die an ihr Sprachniveau angepasst sind und Beispiele, die greifbar sind.

Sie wünschen sich die Möglichkeit, nachzufragen. Und zwar nicht nur einmal, sondern öfters.

Viele beschreiben sehr klar, dass sie nicht am Inhalt scheitern, sondern an der Art, wie er vermittelt wird.

Das bestätigt etwas, das ich im Unterricht täglich erlebe:

👉 Lernen bricht nicht an mangelnder Intelligenz.

👉 Lernen bricht an fehlender Übersetzung.

Sprache ist hier der Schlüssel. Und wenn dies bedeutet, dass wir als Lehrkräfte auf die Ressourcen der anderen Schüler:innen zurückgreifen. Denn ihre Sprache ist oft viel klarer und verständlicher für die anderen Mitschüler:innen.

3. Weniger Druck – mehr Vertrauen

Ein zentrales Thema in allen Interviews war der Leistungsdruck: Tests, Stress, Hausübungen.

Viele Kinder wünschen sich weniger davon – oder zumindest sinnvollere Formen.

Ich denke, was sie eigentlich sagen, ist etwas anderes: Sie wollen lernen, ohne ständig bewertet zu werden.

Nicht weil sie keine Leistung erbringen wollen, sondern weil Dauerbewertung Beziehung zerstört. Und ohne Beziehung wird Lernen zu Pflichterfüllung und schließt jeglichen Spaß aus.

4. Was eine „gute Lehrkraft“ für Kinder wirklich bedeutet

Die Beschreibung einer guten Lehrkraft war erstaunlich einheitlich:

• geduldig

• freundlich

• hilfsbereit

• ruhig erklärend

Kinder wünschen sich Erwachsene, die nicht laut werden und sich über die Schüler:innen ärgern, wenn etwas länger dauert - die erklären, bis es verstanden wird und die unterstützen, statt zu beschämen.

Das ist keine romantische Vorstellung. Das ist eine pädagogische Haltung.

Natürlich erleben Lehrkräfte oft, dass Schüler:innen gerne schnell mal rausrufen “Ich check’s nicht”, ohne genau benennen zu können, was genau sie nicht verstehen.

Dennoch - oft reicht ein Nachfragen aus, um Missverständnisse zu klären und den Raum von Beschuldigungen frei zu halten.

5. Schule der Zukunft ist nicht digitaler – sondern menschlicher

Natürlich wurden auch iPads, Videos, moderne Geräte genannt, aber die Verwendung wurde selten als Selbstzweck genannt.

Immer waren sie eingebettet in Wünsche nach:

• Abwechslung

• Projekten

• Lernen außerhalb des Klassenzimmers

• Bewegung

• Kreativität

• mentaler Gesundheit

Die Kinder wünschen sich keine „Hightech-Schule“. Sie wünschen sich eine lebensnahe Schule.

Was wir daraus lernen können

Wenn wir ehrlich sind, sagen die Kinder nichts Revolutionäres.

👉 Lernen braucht Zeit.

👉 Lernen braucht Beziehung.

👉 Lernen braucht Verständlichkeit.

👉 Lernen braucht Sicherheit.

Diese Antworten haben mich nicht überrascht. Sie haben mich bestätigt.

Denn sie zeigen, was im System oft keinen Platz bekommt. Und sie werfen eine Frage auf, die mir während der Interviews tatsächlich gestellt wurde.

Frau Fahrner, warum arbeiten Sie in einer Schule, wenn Sie Schule nicht mögen?
— Schülerin

Eine Schülerin fragte mich, warum ich eigentlich in einer Schule arbeite, wenn ich Schule doch nicht mag. Diese Frage fand ich sehr interessant, weil sie zeigt, wie genau Kinder und Jugendliche wahrnehmen, welche Haltung Erwachsene im System Schule einnehmen.

Ich habe ihr geantwortet, dass ich in der Schule arbeite, weil ich an Veränderung glaube und Teil davon sein möchte, wie sich Schule verändert. Nicht, weil ich die Schule per se ablehne, sondern weil ich daran glaube, dass Schule partizipativ gestaltet werden muss.

Und das muss gelernt sein. Ich glaube daran, dass die Schule der Zukunft nicht mit neuen Lehrplänen beginnt.

Sie beginnt dort, wo wir anfangen zuzuhören.

💭 Und du?

Was würden die Kinder in deiner Klasse sagen, wenn du sie wirklich fragen würdest?

Und was würde sich verändern, wenn wir ihre Antworten ernst nehmen würden?

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